
Bischof Luiz Flavio Cappio gehört dem Franziskaner-Orden an und ist Bischof der Diözese Barra, in einer sehr armen Gegend am Mittellauf des Rio São Francisco in Nordost-Brasilien.
1946
Am 4. Oktober, am Tag des Heiligen Franziskus, wird Luiz Cappio in Guratinguetá (São Paulo) geboren.
1965
Am 19. Dezember tritt er in den Franziskaner Orden ein und verlässt damit seine wohlhabende Familie.
1971
Nach dem Noviziat, dem Studium der Philosophie, der Theologie und Betriebswirtschaftslehre wird er am 19. Dezember 1971 zum Priester geweiht. Anfangs wirkt er in der Arbeiter- Pastoral in São Paulo.
1974
1974 bricht er auf in die Armenregion des Nordostens Brasiliens, in die arme semiaride Region des Bundesstaates Bahia, lediglich mit der Kleidung, die er am Leib trägt.
1992
In diesem Jahr beginnt er seine berühmte Wallfahrt längs des Rio São Francisco. Zusammen mit dem Soziologen Adriano Martins, Schwester Conceição und dem Bauern Orlando de Araújo, wallfahrtet er die 2800 km des Flusses von der Quelle bis zur Mündung. Mit diesem symbolischen Akt weisen die Wallfahrer die Öffentlichkeit auf die gravierenden Probleme des Flusstals und seiner Bevölkerung hin. In einem Gottesdienst an der Quelle zu Beginn der Pilgerreise zieht Bischof Cappio folgendes Resümee: „Die verzweifelte Lage im São Francisco Tal ist Teil einer globalen Krise. Sie macht uns bewusst, dass der blinde Fortschrittsglaube zur Unterentwicklung vieler Völker geführt hat und das Leben der ganzen Erde bedroht. Es liegt an uns, weiter dem Weg des Todes zu folgen oder uns für das Leben einzusetzen.” Die Situation des Flusses verschlimmert sich jedoch weiter.
1997
Am 6. Juli wird er zum Bischof von Barra (Bahia) geweiht. „Die verzweifelte Lage im São Francisco Tal ist Teil einer globalen Krise. Es liegt an uns, weiter dem Weg des Todes zu folgen oder uns für das Leben einzusetzen.“ Bischof Cappio
2005
2005 beschließt die Regierung Lula die Umleitung des Rio São Francisco Am 26. September beginnt Bischof Luiz sein Fasten und Beten – seinen Hungerstreik – in der Tradition des gewaltfreien Protestes von Mahatma Gandhi. Er wählt den Ort Cabrobó, an dem die Wasserentnahme für den Nordkanal gebaut werden soll. Tausende Menschen kommen nach Cabrobó, um sich solidarisch zu zeigen. Aus der ganzen Welt schicken die Menschen Briefe, um den Widerstand zu unterstützen. Nach elf Tagen beendet Luiz Cappio sein Fasten, weil der Präsident Luiz Ignacio Lula da Silva, verspricht, über das Projekt der Umleitung einen umfassenden Dialogprozess mit der Bevölkerung durchzuführen und der Revitalisierung des Flusses Vorrang zu geben.
2005 bis 2007
Organisationen der Zivilgesellschaft bemühen sich darum, einen demokratischen, transparenten und partizipativen Dialog über das Projekt zu erreichen. Vergeblich. Die Vereinbarung zwischen dem Präsidenten und dem Bischof wird vom Präsidenten nicht eingehalten.
2007
Ende Mai wird das brasilianische Militär beauftragt, mit den Bauarbeiten zu beginnen. Eine Flut von Protesten und rechtlichen Einsprüchen gegen das Projekt wird dadurch ausgelöst. Am 27. November beginnt Bischof Cappio einen zweiten Hungerstreik als Zeichen des friedlichen Widerstands gegen die Zerstörung des Rio São Francisco, und zwar in der São Franziskus- Kapelle in der Gemeinde Sobradinho (Bahia), am Ufer des Sobradinho- Stausees. An diesem Ort zeigen sich der gravierende Zustand des Rio São Francisco und seine fehlende Wasserkapazität besonders deutlich. Der riesige Stausee ist derzeit auf lediglich 14% seiner Kapazität reduziert. Am 19. Dezember trifft das Bundesgericht ein Urteil zugunsten der Umleitung. Bischof Cappio bricht zusammen. Am 20. Dezember 2007 beendet Luiz Cappio sein Fasten.
2008 – 2009
Stetiger Einsatz auf allen Ebenen für den Rio São Francisco. Am 20.10.2008 bekam er für sein unermüdliches Engagement den internationalen Friedenspreis von pax christi (internationale kath. Friedesnbewegung)
Mai 2009, Reise nach Deutschland und Österreich.