
Freiburg (KNA) Auf unmenschliche Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Biokraftstoffen in Brasilien hat der katholische Bischof und Umweltaktivist Luiz Cappio hingewiesen. Arme Wanderarbeiter müssten unter sklaverei-ähnlichen Bedingungen im Akkord Zuckerrohr für die Bioethanol-Produktion schneiden, sagte Cappio am Freitag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur
(KNA) in Freiburg. «Es sind Fälle dokumentiert, in denen Männer auf den Feldern vor Erschöpfung gestorben sind.»
Er rief Deutschland und die Biosprit verbrauchenden Länder auf, gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen und die Verdrängung von
Lebensmittel- zugunsten von Energiepflanzen zu protestieren.
«Deutschland muss sicherstellen, dass wegen des importierten Biotreibstoffs für Autos in Brasilien keine Menschen hungern», so der 62-Jährige, der am Wochenende für seine Umweltarbeit den Freiburger Kant-Weltbürgerpreis 2009 erhält.
Cappio zeigte sich davon überzeugt, dass internationaler Druck der Politik und die internationale Solidarität zivilgesellschaftlicher Gruppen zu einer Verbesserung in Brasilien führen könnten. Brasilien müsse dazu gedrängt werden, unterzeichnete Abkommen und Gesetze zum Umweltschutz und zur Achtung von Armen und Minderheiten umzusetzen.
Der Franziskaner-Bischof und Schüler des Befreiungstheologen Leonardo Boff ist durch seinen Protest gegen ein ökologisch fragwürdiges Wasserprojekt international bekannt geworden. Durch zwei Hungerstreiks erzwang Cappio einen vorübergehenden Baustopp der Wasserumleitungen am Rio Sao Francisco, von denen er katastrophale soziale und ökologische Folgen erwartet. Derzeit sind die Arbeiten des von der Regierung betriebenen Projekts aber wieder aufgenommen worden.
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