
SALZkörner, 12. September 2009
7 Klima Brasilien
Aus dem Schoß der Erde
kommt der Schrei Amazoniens
Christen angagieren sich für Klimaschutz
Bischof Dom Frei Luiz Flávio Cappio und Ruben Siqueira
" Ökologie und Mission – Aus dem Schoß der
Erde kommt der Schrei Amazoniens": war das
Thema des XII. Ökumenischen Treffens der Basisgemeinden
Brasiliens (CEBs), das vom
21. bis 25. Juli 2009 in Porto Velho im Bundesstaat
Rondônia, mitten im Amazonasgebiet
stattgefunden hat. Mehr als 3000 Vertreter der
circa 100.000 CEBs aus ganz Brasilien stellten
die Lebendigkeit der kirchlichen Basisgemeinden
und ihre wachsende Zuwendung zu Umweltthemen
unter Beweis.
Die Augen des globalisierten Kapitals richten sich
immer mehr auf Amazonien, das über vielseitige
Bodenschätze verfügt. So gibt es dort Mineralvorkommen
von Eisen, Zink, Bauxit, Kalium, Niob,
Mangan, Kassiterit, Gipsit, Blei, Kupfer, Nickel, Gold,
Diamanten. Außerdem verfügt die Region über 20
% der weltweiten Süßwasserreserven und 30% der
Tier- und Pflanzenarten der Erde und ein immenses
Energiepotential von fossilen und nachwachsenden
Rohstoffen.
Doch in Zeiten des Klimawandels ist es der Regenwald,
der am meisten Aufmerksamkeit weckt. Mit
seinen 6,5 Millionen Quadratkilometern entspricht
der Amazonas-Regenwald einem Drittel der
Tropenwaldreserven des Planeten. Vier Millionen
Quadratkilometern davon liegen in Brasilien und
machen 49% der Landesfläche aus. Es ist ein Privileg
und eine enorme Herausforderung für Brasilien,
der man vor allem in letzter Zeit nicht gerecht
wird. In den letzten 40 Jahren wurden rund 17 %
des Regenwaldes zerstört, was einer Fläche größer
als Frankreich entspricht.
"Entwicklung" versus Umweltschutz
In Brasilien versucht die Regierung des Präsidenten
Luís Inácio Lula da Silva in ihrem Streben nach
Machterhalt das unvereinbare zu vereinbaren. Das
Programm zur Beschleunigung des Wachstums
(PAC) wurde zum Markenzeichen der zweiten
Amtsperiode Lulas, so wie die erste Amtzeit ganz
unter dem Zeichen des "Null-Hunger"- Programms
stand. Mit dem PAC-Programm wird die Rolle des
Staates als Bereitsteller von Infrastruktur wiederbelebt,
eine Förderung von Wirtschaftswachstum
um jeden Preis, ohne Rücksicht auf soziale und
ökologische Folgen.
Das Leitbild des unbegrenzten Wachstums steht
den globalen Anforderungen des Klimaschutzes
diametral entgegen. Man ignoriert damit die
katastrophalen Folgen der Erderwärmung, die
zahlreichen klimatischen Extremereignisse, wie die
Überschwemmungskatastrophen und Dürren die
Brasilien im letzten Jahr heimgesucht haben. Die im
internationalen Vergleich herausragenden natürlichen
Reichtümer Brasiliens verleiten die Regierung
dazu, die ökologische Krise vor allem als Chance
für die brasilianische Wirtschaft darzustellen. Denn
man gibt vor, mit Agrotreibstoffen aus Brasilien in
der ganzen Welt die CO2 Emissionen reduzieren
zu können, ohne den Treibstoffverbrauch reduzieren
zu müssen. Hier wird besonders deutlich,
dass die Logik des wirtschaftlichen Wachstums um
jeden Preis die politische Verantwortung untergräbt,
ein sozial gerechtes, ökologisch angepasstes
und ökonomisch nachhaltiges Entwicklungsmodel
aufzubauen.
Das Ergebnis dieser Wachstumslogik ist, dass fast
70% der Treibhausgas-Emissionen in Brasilien auf
Brandrodung für die Gewinnung landwirtschaftlicher
Nutzflächen zurückzuführen sind, 59% dieser
Emissionen entstehen durch Rodung des amazonischen
Regenwalds. Damit ist Brasilien schon an
vierte Stelle im weltweiten Ranking der Treibhausgas-
Produzenten.
Abgesehen vom Handel mit Tropelholz, Rohstoffabbau
und der Expansion der Sojaproduktion ist
die Viehzucht einer der größten Verursacher der
Zerstörung des Regenwaldes. Zwischen1990 und
2003 nahmen die Rindviehbestände in Amazonien
um 240% zu und erreichten einen Bestand von 64
Millionen Stück Vieh, was Brasilien zum weltweit
größten Fleisch-Exporteur macht. Im Schnitt wird
alle 18 Sektunden ein Hektar Regenwald in Weideland
umgewandelt.
Und statt dieser zunehmenden Abholzung entgegenzuwirken,
wurde Ende Juni diesen Jahres vom
Präsidenten ein Gesetz sanktioniert, das erlaubt,
Landnahmen öffentlichen Landes in Amazonien zu
legalisieren, die häufig auf illegaler Basis stattgefunden
haten. So verletzt man das Verfassungsprinzip
der "sozialen Funktion des Landeigentums". Es
bedeute erneute Stimulierung von illegalen Landnahmen
und Zerstörung des Regenwaldes.
SALZkörner, 12. September 2009
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Mit diesem Gesetz ist es möglich staatliche Ländereien
von bis zu 1.500 Hektar an Privateigentümer
zu transferieren. Das Programm "Legales Land"
ermöglicht so die Legalisierung von 67,4 Millionen
Hektar staatlicher Ländereien, das sich Privatpersonen
illegal angeeignet haben. Das entspricht etwa
13 % der Fläche Amazoniens.
Hinter dieser Maßnahme stecken strategische
Überlegungen: Regeln aufzustellen, mit der Kapital-
Investitionen in Amazonien begünstigt werden.
Nach der Logik des Programms zur Förderung des
Wachstums ist die Legalisierung der Landrechtssituation
eine Grundvoraussetzung um Investoren
für Großprojekte anzuziehen, wie zum Beispiel
Straßenbauprojekte. Diese Projekte werden neue
Impulse für Aneignung und Privatisierung des
Regenwaldes für ökonomische Zwecke nach sich
ziehen.
Das Volk als "Wachstumshindernis"
und Alternativen
Die Bevölkerung Amazoniens, 20 Milionen Einwohner,
davon 62% Stadtbevölkerung, hat am wenigsten
Bedeutung in diesen Plänen. Die Bevölkerung
der Region, die sich durch eine immense Vielseitigkeit
und Kreativität aber auch großes Leiden
auszeichnet, ist mehr Wächter als Zerstörer des
Regenwaldes. In den Regierungsplänen erscheint
sie nur als Rechtfertigung der öffentlichen Investitionen
und in der Werbung für die Programme,
anstatt dass man sich in den Projekten an ihrem
Vorbild von Weisheit und Nachhaltigkeit orientiert,
nach dem Vorbield der Bewegung der "florestania",
die sich die Bewahrung der Agro-Biodiversität sowie
der kulturellen und sozialen Werte Amazoniens
auf die Fahnen geschrieben hat. Die Regierung hat
jeglichen Dialog mit der Bevölkerung Amazoniens
verweigert.
Es wird zwar von Außen Druck auf die brasilianische
Regierung ausgeübt, doch reagieren die Verantwortlichen
ohne die grundsätzlichen Weichen
der wirtschaftlichen Expansionspolitik zu ändern.
Die Beziehung zwischen den ökonomischen Maßnahmen
und der Vernachlässigung des Umweltschutzes
ist offensichtlich. Die Rolle Brasiliens auf
dem Weltmarkt der Rohstoffe und Agrarprodukte,
wie Soja, Fleisch, Zucker bzw. Ethanol nimmt zu.
Die Produktion dieser commodities bringt enorme
soziale Auswirkungen und Umweltschäden mit
sich, wie Abholzung, Bodendegradierung und einen
häufig unterschätzten hoher Verbrauch von Wasser.
Eine jüngste Studie des WWF belegt, das Brasilien
jährlich 5,7 Milliarden Kubikmeter Wasser verbraucht,
um diese Exportgüter für den Weltmarkt
zu produzieren.
Angesichts dieser Zusammenhänge und in dem
Bewusstsein, dass man der ökologischen Krise auf
globaler Ebene begegnen muss, schlagen wir für die
internationale Umweltpolitik vor:
1 Besteuerung umweltschädlicher Aktivitäten, des
Spekulationskapitals. Die daraus entstehenden
Einnahmen sollen in Präventionsmaßnahmen von
Umweltkatastrophen und Hilfe für deren Opfer
investiert werden.
2 Intensivierung der Entwicklungszusammenarbeit
Deutschlands und der Europäischen Union mit
Ländern, die am stärksten und in denen vor allem
die arme Bevölkerung vom Klimawandel betroffen
sind.
3 Überarbeitung der Verträge zum Import von
Ethanol aus Brasilien und anderen Ländern von
Seiten der deutschen Regierung und der Europäischen
Union, unter Einbeziehung strengster,
verbindlicher Umwelt- und Sozialstandards.
Abschaffung der Beimischungsquote.
4 Ausweitung der Anforderungen auf andere Agrar-
Produkte, die aus Brasilien importiert werden,
wie zum Beispiel kein Holz, Fleisch, Soja und
Agrotreibstoffe etc. importieren, die aus illegal
gerodeten Gebieten stammt.
5 Starke Reduzierung der Energieverschwendung
in Deutschland und den anderen Ländern der
Europäischen Union.
Mário de Andrade sagte im Jahr 1927: "Das Amazonas-
Becken ist so gewaltig, dass es die Wahrnehmungsmöglichkeiten
des Menschen übersteigt."
Angesichts dieser Großartigkeit muss das afrikanische
Zitat gelten, das Dom Moacir Grecchi, Bischof
von Porto Velho am XII. Treffen der kirchlichen
Basisgemeinden aussprach: "Einfache Leute, die
in unbedeutenden Orten kleine Dinge machen,
provozieren außerordentliche Veränderungen." Das
macht Sinn, daran glaube ich.
Bischof Dom Frei Luiz Flávio Cappio und Ruben
Siqueira, Übersetzung : Andrea Zellhuber
Klima Brasilien
Biodiesel: Bischof Cappio erinnert deutsche Importeure an ihre Verantwortung
Geschrieben von: Redaktion
Donnerstag, 14. Mai 2009 um 13:51 Uhr
Berlin (epo.de). - Deutsche Firmen, die Biokraftstoffe aus Ländern wie Brasilien beziehen, dürfen sich nicht ihrer Verantwortung für Hunger und Armut im Erzeugerland entziehen. Das hat der brasilianische Bischof Luiz Cappio (Foto), der in seiner Heimat gegen Umweltzerstörung und Menschenrechte kämpft, auf der MISEREOR-Fachtagung "Energie-Macht-Hunger" am Donnerstag in Berlin gefordert. Sie müssten bei der brasilianischen Regierung vielmehr auf die Einhaltung von Sozial- und Umweltkriterien dringen. Vertreter von Politik, Kirche und Gesellschaft verlangten eine klare klima- und energiepolitische Weichenstellung von der deutschen Bundesregierung.
"Deutschland muss genau wissen, unter welchen Bedingungen Ethanol in Ländern wie Brasilien erzeugt werden", sagte der brasilianische Bischof Luiz Cappio. "Die Importeure dürfen sich nicht der Verantwortung für Hunger und Armut entziehen, sondern müssen die Einhaltung von Sozial- und Umweltkriterien von der brasilianischen Regierung fordern".
Neben einer möglichen Energiewende in der deutschen Politik diskutierten die Teilnehmer der MISEREOR-Konferenz auch über die negativen Folgen des Rohstoff-Reichtums in Entwicklungsländern. Ute Koczy, entwicklungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, forderte in diesem Zusammenhang eine stärkere Unternehmensverantwortung, internationale Standards bei der Ölförderung und mehr Transparenz bei Zahlungen an die rohstofffördernden Regierungen. "Wir sind als deutsche Politiker nicht parteiisch genug, uns eindeutig auf die Seite der Armen in den rohstofffördernden Ländern zu stellen", erklärte Koczy.
Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen mahnte die Umsetzung einer konsequenten und kohärenten deutschen Klima-, Energie-, Rohstoff- und Entwicklungspolitik an: "Wichtig ist ein Ausbau der erneuerbaren Energien, schärfere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, zum Beispiel im Automobilbereich sowie der Ausbau eines attraktiven öffentlichen Verkehrssystems", so der Erzbischof.
Thissen, der in der deutschen Bischofskonferenz für Entwicklungspolitik zuständig ist, drängte die deutsche und internationale Politik zum Handeln. "Wir befinden uns in einer historisch bedeutenden Phase, in der wir von verschiedenen Krisen herausgefordert werden. Lassen wir es nicht zu, dass Klimawandel, Finanzkrise, Ernährungskrise oder Energiesicherung gegeneinander ausgespielt werden", betonte der Erzbischof.
25/05/2009 12.59.00
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Brasilien: Ein Bischof kämpft um Wasser
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Der Landbevölkerung und den Bauern darf ihre Lebensgrundlage nicht entzogen werden. Mit dieser Forderung kämpft der Bischof von Barra, Dom Luiz Flavio Cappio, im Osten Brasiliens gegen die Pläne der Regierung, den Rio São Francisco, den zweitgrößten Fluss Brasiliens, umzuleiten. Das Wasser soll auf diese Weise der Großindustrie zufließen, fehlen aber wird es den Menschen auf dem Land. Bischof Cappio hat jüngst auch in Deutschland auf das Problem aufmerksam gemacht. Veronica Pohl berichtet.
Der Rio São Francisco ist Lebensader für Millionen Brasilianer und absolut unverzichtbar für die Landwirtschaft. Nun soll er an den Kleinbauern vorbei umgeleitet werden, um die zahlreichen Fabriken für die Zuckerrohrverarbeitung mit Wasser zu versorgen. Das beraubt die Menschen vor Ort ihrer Lebensgrundlage, macht Bischof Cappio deutlich:
„Im Nordosten Brasiliens gibt es ohnehin wenig Wasser. Deshalb sollten alle Investitionen in das Wasser für die Menschen gedacht sein, damit sie und ihre Tiere hinreichend damit versorgt sind - und nicht für die industrielle Nutzung des Wassers. Wenn das Wasser nur industriell genutzt wird, ohne seine eigentliche essentielle Bedeutung zu sehen, ist das eine ethische Sünde.“
Immer größere Zuckerrohrplantagen entstehen, um mehr Biotreibstoff an das Ausland liefern zu können. Dagegen protestieren nun tausende Brasilianer aus allen Schichten der Bevölkerung, berichtet Bischof Cappio:
„Nichtregierungsorganisationen, Indigene Völker, Kleinbauern, Akademiker, Studenten, religiöse Gruppen und die normale Bevölkerung haben sich in vielen Protestbewegungen organisiert. Aber die Regierung ignoriert diese Proteste komplett, es gibt keinen Dialog mit der Zivilbevölkerung. Es kommt bei der Genehmigung des Projektes auch zu Unregelmäßigkeiten in der Justiz, Wirtschaft und Politik. Unsere Forderung ist, dass die internationale Gemeinschaft sich dieses Problems annimmt. Denn unsere Regierung geht nicht ein auf die zahlreichen Proteste aus der ganzen Bevölkerung. Deshalb sind wir jetzt auch in Deutschland, um unser Problem bekannt zu machen Es sollte international Druck auf unsere Regierung ausgeübt werden.“
Menschen in Lateinamerika zahlen mit Entbehrungen für den hohen Lebensstandard Europas und des Westens im Allgemeinen - für Dom Luiz Cappio wiederholt sich damit ein heikler Punkt in der Geschichte des lateinamerikanischen Kontinents:
„Unser zentrales Anliegen in den Gesprächen hier ist, dass sich nicht das alte Modell der Kolonialmächte wiederholt. Denn wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass die Länder im Norden auch heute noch damit fortfahren, die südlichen Länder auszubeuten, wie das in der Geschichte bereits geschehen ist. Die nördlichen Länder sollten die Quellen für ihre Energiegewinnung verändern, um Brasilien nicht weiter auszubeuten. Unsere Probleme stammen deshalb ursprünglich aus den Ländern im Norden. Denn wir liefern ihnen den Rohstoff für die Energiegewinnung. Das ist ein Rückschritt in das alte Kolonialmodell, der wieder rückgängig gemacht werden muss.“
Bischof Cappio ist 2007 sogar in einen Hungerstreik getreten, um international auf sein Anliegen aufmerksam zu machen. Nun setzt er seinen Weg auf politischer Ebene fort. In diesem Mai hat der Kirchenmann für sein außerordentliches Engagement den Weltbürgerpreis der Freiburger Kantstiftung erhalten.
(rv 25.05.2009 vp)
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Biodiesel: Bischof Cappio erinnert deutsche Importeure an ihre
Verantwortung
Geschrieben von: Redaktion
Donnerstag, 14. Mai 2009 um 13:51 Uhr
Berlin (epo.de). - Deutsche Firmen, die Biokraftstoffe aus Ländern wie
Brasilien beziehen, dürfen sich nicht ihrer Verantwortung für Hunger und
Armut im Erzeugerland entziehen. Das hat der brasilianische Bischof Luiz
Cappio (Foto), der in seiner Heimat gegen Umweltzerstörung und
Menschenrechte kämpft, auf der MISEREOR-Fachtagung "Energie-Macht-Hunger" am
Donnerstag in Berlin gefordert. Sie müssten bei der brasilianischen
Regierung vielmehr auf die Einhaltung von Sozial- und Umweltkriterien
dringen. Vertreter von Politik, Kirche und Gesellschaft verlangten eine
klare klima- und energiepolitische Weichenstellung von der deutschen
Bundesregierung.
"Deutschland muss genau wissen, unter welchen Bedingungen Ethanol in
Ländern wie Brasilien erzeugt werden", sagte der brasilianische Bischof Luiz
Cappio. "Die Importeure dürfen sich nicht der Verantwortung für Hunger und
Armut entziehen, sondern müssen die Einhaltung von Sozial- und
Umweltkriterien von der brasilianischen Regierung fordern".
Neben einer möglichen Energiewende in der deutschen Politik
diskutierten die Teilnehmer der MISEREOR-Konferenz auch über die negativen
Folgen des Rohstoff-Reichtums in Entwicklungsländern. Ute Koczy,
entwicklungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, forderte in
diesem Zusammenhang eine stärkere Unternehmensverantwortung, internationale
Standards bei der Ölförderung und mehr Transparenz bei Zahlungen an die
rohstofffördernden Regierungen. "Wir sind als deutsche Politiker nicht
parteiisch genug, uns eindeutig auf die Seite der Armen in den
rohstofffördernden Ländern zu stellen", erklärte Koczy.
Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen mahnte die Umsetzung einer
konsequenten und kohärenten deutschen Klima-, Energie-, Rohstoff- und
Entwicklungspolitik an: "Wichtig ist ein Ausbau der erneuerbaren Energien,
schärfere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, zum Beispiel im
Automobilbereich sowie der Ausbau eines attraktiven öffentlichen
Verkehrssystems", so der Erzbischof.
Thissen, der in der deutschen Bischofskonferenz für
Entwicklungspolitik zuständig ist, drängte die deutsche und internationale
Politik zum Handeln. "Wir befinden uns in einer historisch bedeutenden
Phase, in der wir von verschiedenen Krisen herausgefordert werden. Lassen
wir es nicht zu, dass Klimawandel, Finanzkrise, Ernährungskrise oder
Energiesicherung gegeneinander ausgespielt werden", betonte der Erzbischof.
D. Frei Luiz Flávio Cappio, ofm
Bischof von Barra / Bahía
Ansprache am 9. Mai 2009, Aula der Universität Freiburg
Freiburg (KNA) Bischof Luiz Cappio (62), Streiter für die Umwelt in Brasilien, und Jeff Halper (62), israelischer Menschenrechtler, haben am Wochenende den «Kant-Weltbürgerpreis 2009» erhalten. Cappio und Halper seien mit großem Mut für benachteiligte Bevölkerungsgruppen eingetreten, begründete die Kantstiftung in Freiburg die Auszeichnung. Durch ihre «Solidarität mit den Schwachen» und einen «kämpferischen, aber gewaltlosen Friedenswillen», seien die Preisträger große Vorbilder, sagte Stiftungsvorstand Berthold Lange in seiner Laudatio. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben.
Cappio setzte sich in Brasilien wiederholt in spektakulären Aktionen gegen Umweltzerstörung und Ausbeutung der Armen ein. Bekannt wurde der Franziskanerbischof durch seinen Protest gegen eine Flussumleitung, die aus seiner Sicht den armen Flussanrainern die Lebensgrundlage entzieht. Wegen seines wochenlangen Hungerstreiks wurde das Projekt vorübergehend gestoppt. Halper, der die US-amerikanische und israelische Staatsbürgerschaft besitzt, engagiert sich für eine Versöhnung von Palästinensern und Israelis.
1997 gründete er das «Israelische Komitee gegen Hauszerstörung», um gegen israelische Siedlungspolitik und Mauerbau zu protestieren.
Die Freiburger Kantstiftung wurde zum 200. Todestag Immanuel Kants im Jahr 2004 gegründet und will zum Wachhalten von Demokratie und ethischen Werten beitragen. Alle zwei bis drei Jahre vergibt sie den Kantpreis an Personen, die sich in der Friedens- oder Umweltarbeit engagieren.
Hinweis:
Fotos abrufbereit in der KNA-Bild-Datenbank auf www.kna-bild.de oder direkt mit folgendem Link:
bilddb.kna-bild.de/marsKna/open.jsp
has/twi/
Freiburg (KNA). Auf unmenschliche Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Biokraftstoffen in Brasilien hat der katholische Bischof und Umweltaktivist Luiz Cappio hingewiesen. Arme Wanderarbeiter müssten unter sklaverei-ähnlichen Bedingungen im Akkord Zuckerrohr für die Bioethanol-Produktion schneiden, sagte Cappio am Freitag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur
(KNA) in Freiburg. «Es sind Fälle dokumentiert, in denen Männer auf den Feldern vor Erschöpfung gestorben sind.»
Umweltaktivist Bischof Cappio über Umweltzerstörung in Brasilien
Von Volker Hasenauer (KNA). Mit zwei Hungerstreiks trotzte er der brasilianischen Regierung einen vorübergehenden Baustopp eines ökologisch fragwürdigen Wasserumleitungsprojekts ab. Bischof Luiz Cappio (62) ist einer der bekanntesten Umweltaktivisten seines Landes und kämpft für die Rechte sozial benachteiligter Gruppen. Vor der Verleihung des Kant-Weltbürgerpreises am Samstag in Freiburg zieht der Bischof im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) eine Bilanz seiner Arbeit und ruft Deutschland zur Unterstützung auf, etwa im Kampf gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen bei der Biokraftstoff-Erzeugung.
Feierliche Verleihung des Kant-Weltbürger-Preises am Europatag, dem 9. Mai 2009, 10.15 Uhr in der Aula der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg an Dom Luiz Cappio OFM, Bischof von Barra, und Prof. Jeff Halper, IsraelDie Stiftung „Europas Erbe als Auftrag. Freiburger Stiftung zur Förderung eines kantischen Weltbürger-Ethos“ will mit ihren Auszeichnungen zur Förderung des Bewusstseins von der Notwendigkeit einer weltweiten Gültigkeit menschlicher Grundwerte und Grundrechte im Sinne der Ideen Immanuel Kants beitragen.
Geschrieben von KoBra Nachdem er im Oktober 2008 den Friedenspreis von Pax Christi verliehen bekam, wird der brasilianische Bischof Dom Luiz Cappio ein weiteres Mal geehrt. Am 9. Mai erhält der Bischof von der Freiburger Kant-Stiftung den Kant-Weltbürgerpreis. Am Abend des 8. Mai wird er, ebenfalls in Freiburg, auf einem Seminar des Brasiliennetzwerks KoBra (Kooperation Brasilien e.V.) über das umstrittene Ableitungsprojekt und die Widerstandsbewegung sprechen. Seine Reise bring den Bischof darüber hinaus nach Frankfurt, Berlin, Bonn, Bremen und in die österreichische Stadt Graz. Bischof Cappio wurde durch seinen zweimaligen Hungerstreik international bekannt: In den Jahren 2005 und 2007 fastete er gegen das Großvorhaben. Er ist zur Symbolfigur des Widerstandes der brasilianischen Bevölkerung gegen eines der umstrittensten Großprojekte der letzten Jahre in Brasilien geworden.Der Fluss São Francisco ist die Lebensader für knapp 13 Millionen Menschen, die im Trockengebiet des brasilianischen Nordostens leben. Von diesem Fluss plant die brasilianische Regierung, an zwei Großkanälen Wasser abzuzapfen, um es in andere Gebiete zu leiten. Nach Regierungsangaben soll die Wasserversorgung der dortigen Bevölkerung verbessert werden. Doch Wasserleitungen zu den verstreut lebenden Menschen sind im Finanzplan gar nicht vorgesehen. Statt dessen wird vor allem die exportorientierte Bewässerungslandwirtschaft von der Ableitung profitieren. Millionen Menschen in unmittelbarer Nähe der Kanäle bleibt nach wie vor der Zugang zu Trinkwasser verwehrt.Anlässlich des Fastens von Dom Luiz Cappio im Jahr 2007 unterstützte die internationale Solidaritätsbewegung den Bischof durch Mails und Briefe. Es wurden mehr als 20.000 Protestschreiben an die Kanzlei des brasilianischen Präsidenten und an das Ministerium geschickt, das für das Ableitungsprojekt zuständig ist. „Es ist wichtig, dass wir hier in Deutschland die Belange der Menschen am Rio São Francisco unterstützen“, so Kirsten Bredenbeck von der Kooperation Brasilien, „denn solche Großprojekte sind nicht zuletzt Ergebnis unserer Konsumgewohnheiten. Aufgabe des Brasiliennetzwerks und der hiesigen Solidaritätsgruppen ist es, auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen“. Die Reise des Bischofs wird von einem bundesweiten Netzwerk koordiniert: der Missionszentrale der Franziskaner, MISEREOR, Adveniat, dem Kindermissionswerk, der Freiburger Kant-Stiftung, KoBra und dem Eine-Welt-Laden Hückelhoven.Mit dem Dom Cappio unterwegs sind Ruben Siqueira von der brasilianischen Landpastorale und Berater des Bischofs, sowie eine weitere Mitarbeiterin der Landpastorale, Andrea Zellhuber. "Die Reise ist auch von globalem Interesse“, berichtet Ruben Siqueira. Vor allem Zuckerrohrfelder werden an den Bewässerungskanälen entstehen. Unter hohem Wasserverbrauch wird hieraus Treibstoff für Autos hergestellt. Dies ist auch Ergebnis der Politik in Deutschland und der EU. Direkt daneben leben die Menschen ohne brauchbares Trinkwasser. „Selbstverständlich werden wir dieses Problem ansprechen, denn Ethanol aus Zuckerrohr ist die falsche Lösung für ein sehr ernstes und tiefes Problem, das uns alle betrifft“. Während ihrer Reise will die brasilianische Delegation diese Diskussion mit den Entscheidungsträgern in Deutschland und der EU führen und den Einsatz für ein anderes Entwicklungsmodell am São Francisco und im semi-ariden Gebiet Brasiliens fördern.Während seines Aufenthaltes bis zum 21. Mai in Deutschland und Österreich wird der Bischof einen dichten Terminplan haben. In Freiburg berichtet er am 8. Mai auf dem Seminar der Kooperation Brasilien (KoBra) vom Widerstand in Brasilien gegen das Projekt. Die Bewohner der Region am São Francisco wehren sich seit Jahren gegen das Großvorhaben. Am Samstag, den 9. Mai findet in Freiburg die öffentliche Preisverleihung durch die Kant-Stiftung an den Bischof statt. Am 16. Mai wird Dom Cappio in Graz, am 19. Mai in Hofheim bei Frankfurt und am 20. Mai in Münster zu Seminarveranstaltungen erwartet. Die Agenda beinhaltet am 21. Mai auch die Teilnahme an einem Podium auf dem 32. deutschen Kirchentag in Bremen. Das weitere Reiseprogramm des Bischofs umfasst Treffen mit Politikern und Einscheidungsträgern, religiösen Vertretern und Repräsentanten der organisierten Zivilgesellschaft.
Alle Termine und weitere Informationen sind unter www.saofrancisco-2009.net abrufbar.