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Bischof Luís Cappio OFM in Berlin

Von: tms

Zum Auftakt seiner Gespräche in Berlin feierte der Franziskanerbischof aus Brasilien in St. Ludwig die Heilige Messe.

Bischof Luís mit P. Augustinus (li.) und P. Hans-Georg (re.)

Bischof Luís während seiner Predigt, P. Augustinus übersetzt

Eucharistie

Die Franziskanergemeinde im Zentrum Berlins empfing den weitgereisten Gast herzlich: Kirchenchor und Kantor verwandelten den Werktagsgottesdienst in ein feierliches Pontifikalamt und Pfarrer Hans-Georg Löffler OFM begrüßte seinen Mitbruder mit dem Hinweis, dass es eine Ermutigung sei zu erleben, dass es Bischöfe wie Dom Luís gäbe. Der Leiter der Franziskaner Mission, P. Augustinus Diekmann OFM, der selbst über 15 Jahre in Brasilien gelebt hat, nahm ebenfalls an der Messe teil und übersetzte die Predigt.

Das Anliegen des Bischofs von Barra im Bundesstaat Bahia (Nordosten Brasilien) stand im Mittelpunkt des Gottesdienstes. In seiner hochpolitischen Predigt machte Dom Luis eindrücklich deutlich, dass die Existenz des Flusses Rio São Francisco und der an seinen Ufern lebenden Menschen akut bedroht sei: Die Rodung des Waldes, der Bau von Wasserkraftwerken und nicht zuletzt das Projekt der Umleitung des Flusses diene nicht den Kleinbauern und Fischern in den Orten am Fluss, sondern der Großindustrie. Allein für die aus ökologischen und sozialen Gründen unsinnige Umleitung des Flusses stelle die brasilianische Bundesregierung über 6 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld werde in Brasilien aber viel dringender für die Armutsbekämpfung gebraucht. Durch die Umleitung des Flusses würden Fischer und Bauern ihrer Existenz beraubt und unkalkulierbare Folgen für die Umwelt in Kauf genommen. Nutznießer der Umleitung sei ausschließlich das Agrobusiness (Landwirtschaftskonzerne).

Seit fast 20 Jahren setzt sich Bischof Luís für den Erhalt des 3.200 km langen Flusses São Francisco, der durch sein Bistum fließt, ein. Mit spektakulären Aktionen wie Demonstrationen, Wallfahrten und Hungerstreiks macht er immer wieder auf die Situation aufmerksam und wird in Brasilien als Held gefeiert. Für sein Engagement wurden ihm der Pax-Christi-Friedenspreis 2008 und der Kant-Weltbürgerpreis 2008 verliehen.

In der Predigt betonte Bischof Luís, dass sich der gute Hirte immer für die Seinen und ihre Sorgen und Nöte einsetzte. Er habe in seinem Engagement daher keine Wahl. Es komme darauf an, dass ALLE Leben und Würde in Fülle hätten. Herzlich bedankte sich der Bischof für die Solidarität und die Unterstützung, die er aus Deutschland erfahre.

Am Mittwoch (13.05.) wird Bischof Luís Cappio, der sich auf Einladung von MISEREOR und einem Aktionsbündnis verschiedener Nichtregierungsorganisationen in Deutschland aufhält, Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundestagsfraktionen und der Bundesregierung führen. Am Donnerstag wird er als Referent an der Misereor-Fachtagung Energie – Macht – Hunger teilnehmen.

Weitere Gelegenheiten, Bischof Cappio zu hören und zu sehen,  bestehen am 18. Mai um 18.00 Uhr im Bonner Münster (Bonn), am 20. Mai um 15.30 Uhr in der Petrikirche in Münster und am 19. Mai um 14.30 Uhr im Exerzitienhaus Hofheim sowie auf dem Kirchentag in Bremen.

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<h1 style="text-align: center;" align="center">Homilie am 12. Mai – Johannes 15, 1-8<o:p></o:p>
  1. Der Heilige Paulus lehrt uns, dass die Liebe eine Gabe ist, die von Gott kommt und dass der Heilige Geist sie uns zuteil werden lässt.<o:p></o:p>
  1. Des Weiteren lehrt uns der Apostel, dass wirkliche Liebe nicht auf Worte und gute Vorsätze beschränkt bleiben darf: In unserem Leben und Tun sind wir aufgerufen, die Liebe Gestalt annehmen zu lassen, sie mitzuteilen.<o:p></o:p>
  1. Der Evangelist Johannes lehrt uns, dass wir, so wir gute Frucht tragen und unser Leben in Liebe leben wollen, unser Leben im Geist der Herrn führen müssen. Er wirkt durch uns, lässt den Willen Gottes in unserem Leben Gestalt annehmen. Wir sind nur Werkzeuge, durch die der Geist Gottes wirkt. Gott Vater ist der Winzer, Jesus der Weinstock. Damit unser Leben Früchte des Lebens tragen kann - die Früchte eines Lebens der Liebe -  müssen wir dem Weinstock, unserem Herrn, verbunden sein.<o:p></o:p>
  1. An einer anderen Stelle, dem Evangelium des vergangenen Sonntags, haben wir über Jesus als den Guten Hirten nachgedacht, der sein Leben für seine Herde lässt und will, dass alle Leben in Fülle haben.<o:p></o:p>
  1. Als Bischof hat mir die Kirche das Hirtenamt aufgetragen. Meine Auftrag ist es, meiner großen Gemeinde in der Nachfolge Jesu Christi ein guter Hirte zu sein. Eine wunderbare Herde, und doch ist sie so arm, nicht einmal ihre Grundbedürfnisse sind gestillt. Die Aufgabe des Hirten beschränkt sich nun nicht darauf, das bloße Leben seiner Herde sicherzustellen. Es geht um weit: mehr: um Lebensqualität, um Leben die Fülle!

    Wir haben uns dem Schutz des Wassers, des Rio São Francisco, dieses großen Flusses im semiariden Nordosten unseres Landes verschrieben: mit seinem Wasser ist dieser Fluss eine der Grundvoraussetzungen für das Leben meiner Herde. Zwei Mal habe ich der Regierung, die das Wasser dieses Flusses ableiten will, im Fasten und im Gebet Widerstand geleistet, um zu verhindern, dass das Wasser den Armen geraubt und den Reichen gegeben wird. Mit ihrem Vorhaben, die industrielle Land- und Wasserwirtschaft zu fördern, verweigert die Regierung den Durstigen das Wasser. Das vornehmeste Wesen des Wasser besteht nun aber darin, den Durst von Mensch und Tier zu stillen. Dem Gewinnstreben darf es nicht untergeordnet werden. Mit dem Ableitungsprojekt werden die Armen daran gehindert, nachhaltige Alternativen der Wasserversorgung zu entwickeln.<o:p></o:p>
  1. Diese radikale Position habe ich in der Nachfolge des guten Hirten eingenommen, der – wenn es Not tut - das Leben für seine Schafe lässt.<o:p></o:p>
  1. Diese Entscheidung wurde im Gebet, in der Meditation, im Hören auf das Wort Gottes und den Heiligen Geist getroffen, der in unseren Herzen weht. Da wir als Reben eins sind mit dem Weinstock, kann auch unser Tun Leben hervorbringen.<o:p></o:p>

 

Möge der Gott des Lebens, der Gute Hirte, der Weinstock uns mit dem Saft durchströmen, der uns die Kraft gibt, das Leben unserer Herde zu bewahren. Mögen wir offen und bereit sein, Ihm stets treue Jünger zu sein.

 

12. Mai 2009 18:30

Berlin

 

Gottesdienst in St. Ludwig

mit Pax Christi

Verantwortlich: Christine Hoffmann

und der
Diözesankommission für Frieden - Gerechtigkeit - Bewahrung der Schöpfung