Schrift vergrößernSchrift zurücksetzenSchrift verkleinernKontrastreiche Darstellung

Homilie am 10. Mai – Johannes 15, 1-8 1. Der Heilige Paulus lehrt uns, dass die Liebe eine Gabe ist, die von Gott kommt und dass der Heilige Geist sie uns zuteil werden lässt. 2. Des Weiteren lehrt uns der Apostel, dass wirkliche Liebe nicht auf Worte und gute Vorsätze beschränkt bleiben darf: In unserem Leben und Tun sind wir aufgerufen, die Liebe Gestalt annehmen zu lassen, sie mitzuteilen. 3. Der Evangelist Johannes lehrt uns, dass wir, so wir gute Frucht tragen und unser Leben in Liebe leben wollen, unser Leben im Geist der Herrn führen müssen. Er wirkt durch uns, lässt den Willen Gottes in unserem Leben Gestalt annehmen. Wir sind nur Werkzeuge, durch die der Geist Gottes wirkt. Gott Vater ist der Winzer, Jesus der Weinstock. Damit unser Leben Früchte des Lebens tragen kann - die Früchte eines Lebens der Liebe - müssen wir dem Weinstock, unserem Herrn, verbunden sein. 4. An einer anderen Stelle, dem Evangelium des vergangenen Sonntags, haben wir über Jesus als den Guten Hirten nachgedacht, der sein Leben für seine Herde lässt und will, dass alle Leben in Fülle haben. 5. Als Bischof hat mir die Kirche das Hirtenamt aufgetragen. Meine Auftrag ist es, meiner großen Gemeinde in der Nachfolge Jesu Christi ein guter Hirte zu sein. Eine wunderbare Herde, und doch ist sie so arm, nicht einmal ihre Grundbedürfnisse sind gestillt. Die Aufgabe des Hirten beschränkt sich nun nicht darauf, das bloße Leben seiner Herde sicherzustellen. Es geht um weit: mehr: um Lebensqualität, um Leben die Fülle! Wir haben uns dem Schutz des Wassers, des Rio São Francisco, dieses großen Flusses im semiariden Nordosten unseres Landes verschrieben: mit seinem Wasser ist dieser Fluss eine der Grundvoraussetzungen für das Leben meiner Herde. Zwei Mal habe ich der Regierung, die das Wasser dieses Flusses ableiten will, im Fasten und im Gebet Widerstand geleistet, um zu verhindern, dass das Wasser den Armen geraubt und den Reichen gegeben wird. Mit ihrem Vorhaben, die industrielle Land- und Wasserwirtschaft zu fördern, verweigert die Regierung den Durstigen das Wasser. Das vornehmeste Wesen des Wasser besteht nun aber darin, den Durst von Mensch und Tier zu stillen. Dem Gewinnstreben darf es nicht untergeordnet werden. Mit dem Ableitungsprojekt werden die Armen daran gehindert, nachhaltige Alternativen der Wasserversorgung zu entwickeln. 6. Diese radikale Position habe ich in der Nachfolge des guten Hirten eingenommen, der – wenn es Not tut - das Leben für seine Schafe lässt. 7. Diese Entscheidung wurde im Gebet, in der Meditation, im Hören auf das Wort Gottes und den Heiligen Geist getroffen, der in unseren Herzen weht. Da wir als Reben eins sind mit dem Weinstock, kann auch unser Tun Leben hervorbringen. Möge der Gott des Lebens, der Gute Hirte, der Weinstock uns mit dem Saft durchströmen, der uns die Kraft gibt, das Leben unserer Herde zu bewahren. Mögen wir offen und bereit sein, Ihm stets treue Jünger zu sein.

10. Mai 2009 10 Uhr

 

Freiburg

 

Erzdiözese Freiburg

Gottesdienst im Freiburger Münster

Generalvikar Dr. Friedolin Keck

 

mit Generalvikar Dr. Friedolin Keck